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Wann spricht man von Mißbrauch des Alkohols und wann ist man süchtig?
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Mißbrauch
Darunter wird ein solcher Alkoholkonsum verstanden, der den gesellschaftlichen Normen entsprechend erhöht ist oder zu
unpassenden Gelegenheiten erfolgt. Durch die Einwirkung des Alkohols kann es zu vorübergehenden, deutlichen Veränderungen und Beeinträchtigungen von seelischen und körperlichen Funktionen kommen. Ein
Mißbrauch kann auch dann vorliegen, wenn Alkohol in Situationen getrunken wird, in denen der Konsum nicht angemessen ist, wobei die Menge in anderen Situationen durchaus zu tolerieren wäre (z.B. 2
Flaschen Bier vor Antritt einer Autofahrt verglichen mit der gleichen Menge im Laufe eines Abends bei einer Grillparty).).
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Abhängigkeit
Alkoholabhängigkeit ist ein Konsum, der den Grenzwert überschreitet, von dem an das Auftreten alkoholbedingter Erkrankungen wahrscheinlich
ist. Man unterscheidet psychische (gekennzeichnet durch starkes Verlangen und Kontrollverlust) und körperliche Abhängigkeit (charakterisiert durch Entzugserscheinungen und Toleranzsteigerung). Weitere
Folgeerscheinungen sind meistens: Auftreten massiver Konflikte mit der Umwelt (evtl. drohender Arbeitsplatz- und Führerscheinverlust, Partnerschaftsprobleme), Persönlichkeitsveränderungen, sozialer Abstieg,
hirnorganische und sonstige schwere körperliche Schädigungen. Die Entstehung einer Alkoholabhänigkeit hat viele Ursachen, wobei die individuellen Voraussetzungen, auch die genetische Veranlagung, das soziale Umfeld
und das Suchtmittel Alkohol mit seinen spezifischen Wirkungen die Hauptrolle spielen.
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Es wird zwei Gruppen von Alkoholikern unterschieden: süchtige und nichtsüchtige. Während sich bei der ersten Gruppe nach mehreren Jahren
übermäßigen Trinkens "der Verlust der Kontrollierbarkeit" der Alkoholaufnahme einstellt, entwickelt sich dieses Phänomen bei der anderen Gruppe niemals. Die Gruppe mit dem "Kontrollverlust" wird
"Alkoholsüchtige" genannt. Der Drang des Alkoholsüchtigen zeigt
sich darin, daß beim Genus kleiner Alkoholmengen (z.B. 1 Weinbrandbohne) ein Verlangen nach mehr Alkohol entsteht, begleitet vom Verlust der Selbstkontrolle. Wir dürfen uns also nicht vorstellen, daß diese Menschen
von einem ständigen Drang erfaßt seien - die Sucht meldet sich erst beim Genus kleiner Mengen Alkohols.
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Zur Einteilung von Alkoholproblemen wurde von Jellinek (1960) diese Tabelle erstellt:
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Bezeichnung
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Kennzeichen
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Abhängigkeit
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Alpha-Typ (Konflikttrinker)
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kein Kontrollverlust, aber undiszipliniertes Trinken bei Verärgerung, Unlustgefühlen und sozialen Schwierigkeiten
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psychische Abhängigkeit, gebunden an den Anlaß
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Beta-Typ (Gelegenheitstrinker)
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zeitweiliger exzessiver Alkoholkonsum (z.B. am Wochenende oder bestimmten Anlässen), da Grenzwert gelegentlich überschritten
wird, kann es zu Gesundheitsschäden kommen (Leberschädigung)
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keine körperliche oder psychische Abhängigkeit, höchstens soziokulturelle
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Gamma-Typ (Süchtiger Trinker)
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Kontrollverlust, Perioden der Abstinenz sind jedoch möglich, Toleranz erhöht, Entzugssymptome können auftreten, Folgekrankheiten
des Alkoholismus zeigen sich
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erhebliche psychische, später auch körperliche (physische) Abhängigkeit
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Delta-Typ (Gewohnheits- oder Spiegeltrinker)
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Unfähigkeit zur Abstinenz, gewohnheitsmäßige Aufnahme von großen Mengen Alkohol über den Tag verteilt, selten Kontrollverlust
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physische Abhängigkeit steht im Vordergrund, psychische A. entwickelt sich meist erst nach einigen Jahren (Übergang zum
Gamma-Typ möglich)
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Epsilon-Typ (Quartalstrinker)
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episodisch massives Trinken durch Verstimmungszustände z.B. bei depressiven Personen gefolgt von Wochen oder Monaten der
Abstinenz, Trinken wegen äußerer Anlässe (Wochenende, Feier, etc.) ist hier nicht gemeint
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Gefährdung nur in bestimmten Episoden
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Trotz vielfältiger Aufklärungen und Hinweise auf die Schädlichkeit des Alkoholgenusses steigt die Zahl der Alkoholabhängigen stetig und zieht sich
ausnahmslos durch alle sozialen Schichten. Falsch ist auch die Annahme, daß es nur infolge von Alkoholabhängigkeit zu schweren gesundheitlichen Schäden kommt. Auch hoher gewohnheitsmäßiger Konsum birgt große
Risiken für Leber und Herz- Kreislauf und senkt die Lebenserwartung deutlich.
Alkohol schädigt in erster Linie die Leber, die zu 90-95% den Alkohol abbaut. Leberschwellung, Leberverfettung und schließlich Leberzirrhose sind
mögliche Folgen. Hormonell bedingt baut die weibliche Leber Alkohol langsamer ab und ist somit deutlich anfälliger für alkoholbedingte Schädigungen. Besonders gefährdet ist zudem das Gehirn. Jeder Vollrausch
zerstört Millionen von Gehirnzellen. Zuerst leiden Gedächtnis und Konzentrationsvermögen, Kritik- und Urteilsfähigkeit, später die Intelligenz, bis hin zu völligem geistigen Abbau und Verfall Weitere Risiken kommen
hinzu. Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm können sich entzünden. Die Gefahr von Krebserkrankungen der Leber, des Magens, im Bereich von Mund- und Rachenhöhle, des Kehlkopfes und der Speiseröhre steigt.
Alkoholmißbrauch beeinträchtigt auch die Potenz und das sexuelle Erleben. Alkohol verändert den Menschen körperlich, geistig, seelisch und in seinem sozialem Verhalten. Bei andauerndem Mißbrauch verändert sich
auch die Persönlichkeit. Alkoholkranke werden unzuverlässig, reizbar, depressiv, übertrieben eifersüchtig und vernachlässigen ihr Aussehen.. Sie sind unfähig, ihren Alkoholkonsum selbst dauerhaft und im Einklang mit
ihrem Wollen zu steuern.
Leider gelingt es vielen Alkoholkranken - aus Scham und aus Angst vor dem Verlust ihrer Droge - erst sehr spät, sich ihre Situation
einzugestehen und Hilfe anzunehmen.
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interessante Zahlen:
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Es ist davon auszugehen, daß ein Anteil von ca. 2,7 Mio. Menschen in Deutschland täglich
weit mehr als die von der WHO als noch nicht gesundheitsschädlichen täglichen zu vertretenden 20g reinen Alkohol für Frauen und 40 g reinen Alkohol für Männer
trinken. Vielen Fachleuten sind diese Grenzwerte allerdings zu hoch. Zwischen 30.000 und 40.000 Menschen erreichen jährlich nicht das 60.Lebensjahr, sondern sterben
an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums, 17.000 von ihnen an Leberzirrhose.
Für Millionen von Menschen wird der Alkohol als "Tröster und Freund" bei der Oberwindung von
Alltagskonflikten und zum Ausfüllen von Lücken und Leeren im seelischen Bereich verwendet. Wie verführerisch dieser "Pseudohelfer" ist, dokumentieren mehr als 1.500.000 Alkoholkranke
in der Bundesrepublik Deutschland, die mit ihren Familien unter den Folgen des Alkoholismus leiden, und von denen viele psychisch und physisch zugrunde gehen. Zu den vom Alkohol Betrogenen unserer
Tage gehören nicht nur erwachsene männliche Personen, sondern besonders auch viele Frauen (mindestens 300.000) und junge Menschen (mindestens 150.000).
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Links zum Thema
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